14.04.2005

"Erste Erfahrung mit 24/7"

Master und sklaven, die mich schon länger und genauer kennen, wissen, dass anfangs viele Dinge kategorisch abgelehnt und tabuisiert habe.  Was Tabus und Grenzen anbelangt, habe ich schon etwas geschrieben.   24/7  war für mich am Anfang etwas völlig Unvorstellbares. Die Ablehnung war sicher in Unwissenheit und Unerfahrenheit begründet. 
Heute empfinde ich die damalige strikte Ablehnung als positiv und sinnvoll.  Hätte ich am Anfang alles für richtig und gut angesehen, wäre ich möglicherweise blind in Situationen gelaufen, die im Endeffekt schädlich für mich gewesen wären.  Das anfängliche Abwehren massiverer Einschnitte und Praktiken in seinem Leben ist ein notwendiger Selbstschutz, bis man seinen Horizont und seine Erfahrungen erweitert hat und ein präziseres Bild von dem, was kommen könnte, bekommt. 

24/7 ist untrennbar mit einer festen, stabilen, von Vertrauen und gegenseitigem Kennen geprägten Beziehung verbunden.  Ich selbst halte 24/7 für absolut unmöglich, wenn man sich erst wenige Tage oder Wochen kennt. 
Da ich mich als sklave empfinde, strebe ich selbstverständlich die Beziehung an, da Sessions für einen sklaven keine wirkliche Erfüllung bedeuten, sondern "nur" dem Abreagieren momentaner Emotionen und Bedürfnisse dienen können.  ( Das stellt keine Wertung von Sessions dar ! )
Als sklave wünsche ich mir natürlich auch die ständige Kontrolle,  Bestimmung und Führung durch meinen Eigentümer.  Dies kann endgültig nur in einem Zusammenleben, also 24 Stunden an 7 Tagen möglich sein.
Ich verstehe unter 24/7 nicht, dass der sklave einen Beruf, Tätigkeit, Schule aufgibt. Ebenso wenig gibt er soziale Kontakte wie Familie, Freunde usw. auf.  24/7  heißt für mich nicht völlige Haltung in Gefangenschaft, sondern das Zusammenleben mit seinem Herrn, das von Kontrolle und Bestimmung geprägt ist.  Der sklave darf Freunde besuchen oder Besuch empfangen - mit Erlaubnis des Herrn. Eigenmächtigkeiten oder Entscheidungen durch den sklaven darf es aber in keinem Fall geben.

Durch einen Zufall hatten wir zu Ostern die Gelegenheit, eine Woche gemeinsam allein bei mir zu verbringen  ( siehe Berichte in der Zeit ).  Eine Woche ist sicherlich nicht gleich zu setzen mit "richtigem"  24/7,  da von vorn herein die Befristung klar ist und diese Kenntnis möglicherweise einen gewissen Einfluss nehmen kann.

In einer Beziehung hat dadurch bestimmt ein Punkt Einfluss genommen :
Wir haben in dieser Woche konzentrierter SM gelebt, was in der Form in einer ständigen 24/7 Beziehung nicht möglich und auch nicht sinnvoll ist.  So schön die gemeinsame Zeit für uns gewesen ist, so anstrengend und kräftezehrend war sie für beide teilweise auch.
Diese Konzentration kam wahrscheinlich daher, dass wir die kurze Zeit nutzen und experimentieren wollten. Wir wollten erleben, ob das, was wir anstreben, dem nahe kommen kann, was wir uns vorstellen.  Trotz aller Widrigkeiten kann diese Frage aber jetzt schon mit einem klaren "JA" beantwortet werden.

Ich habe gesagt, dass die Woche teilweise auch anstrengend und "kräftezehrend" war.  Dies darf in der Hinsicht verstanden werden, dass mir körperliches oder seelisches Leiden in der Zeit zu viel oder zu hart wurden und auch nicht, dass Sven sich durch Härte oder sonst was verausgabt hätte.  Vielmehr ist uns die Verantwortung, die Intensität und Ausrichtung deutlicher und noch bewusster geworden.  Hinzu kam, dass jeder von uns natürlich versucht hat, dem anderen so weit wie möglich entgegen zu kommen und dem Partner eine möglichst schöne Zeit zu geben.  In einer ständigen 24/7 Beziehung würden diese Punkte weg fallen und mehr Entspannung vorliegen.
Ebenso würde der "Vanille-Anteil" einen höheren Grad einnehmen, als es bei uns in der Woche der Fall gewesen ist.  Diese nicht beabsichtigte Reduzierung hat sicher auch zu mehr Anstrengung geführt.  Hier muss später ein deutlicher Ausgleich erfolgen und gehalten werden, da die "Vanille-Anteile"  ( jedenfalls für uns in unserem Zusammensein )  einen wichtigen emotionalen Ausgleichspunkt darstellen und zum Vertrauensaufbau, -förderung und -erhalt zwingend nötig sein.  Wir würden sonst eventuell unser Gefühl von Liebe dem anderen gegenüber verändern, reduzieren oder gar verlieren.  Das ist nur Theorie, aber wir würden gar nicht erst das Risiko eingehen.

Ein weiterer Punkt der größeren Anstrengung war wohl auch das Fehlen bzw. seltenere Stattfinden von Pausen.  Da Sven und ich ansonsten nicht zusammen wohnen, treten durch diese Trennungen zwangläufig Pausen bzw. Ruhephasen ein, selbst wenn Regeln weiter bestehen und mein "sklave-sein" spürbar ist  ( z.B. durch Keuschheitsgürtel, Sackstretcher,  Kleidung usw ).   Die begrenzte Zeit brachte uns dazu, Pausen so gering wie möglich zu halten, um die Zeit zu nutzen. Auch das war nichts Beabsichtigtes, sondern ergab sich unbewusst.  In einer ständigen 24/7  Beziehung ist somit auch darauf zu achten, dass solche Phasen erfolgen. 

Insgesamt hab ich die Woche mit uns allein als eine sehr wichtige und besondere Erfahrung innerhalb meiner bisherigen Entwicklung als sau erlebt.  Ich hab die Bestätigung gespürt, dass das, was ich innerlich  ersehne und wünsche, tatsächlich will und anstrebe.  Wir haben Fehler in der Zeit gemacht und werden Fehler machen;  aber wir werden aus diesen Fehlern lernen und uns weiter entwickeln. Diese Weiterentwicklung kann für uns speziell durch 24/7 gefördert und positiv beeinflusst werden.
Möglicherweise wird dann aber auch ein ständiges 24/7 ein - zumindest begrenztes - Outing guten Freunden und meinem Bruder gegenüber notwendig machen. Dieser Punkt macht mir noch etwas angst und ich bin mir dessen noch unsicher.

Das erste, noch relativ kurze Ausprobieren des Zusammenlebens mit meinem Eigentümer war intensiv und hat mir deutlicher gemacht, welche Punkte für mich von Bedeutung sind und die mir beim Getrenntleben teils fehlen oder zu schwach sind.
Von der anfänglichen Online-Erziehung zum jetzigen Stand der realen Master-sklave Beziehung mit Sven ist für mich schon ein großer, wichtiger und bedeutsamer Sprung erfolgt.  Dinge, die in einer Online-Erziehung schier unmöglich und unbefriedigend sind, erlebten eine große Veränderung. Ich konnte mich wesentlicher weniger dem Einfluss und Fremdbestimmung durch meinen Herrn entziehen oder es abschwächen. Diese Gefahr besteht bei Online-Erziehung in höherem Maße, auch wenn man es nicht absichtlich will.  Aktionen und Reaktionen sind intensiver und deutlicher.
Lebt man dann aber zusammen mit seinem Eigentümer ist ein Ausweichen nicht mehr möglich.

Die Kontrolle durch seinen Herrn erreicht einen höchstmöglichen Prozentsatz - auch dann, wenn der sklave manchmal allein weg gehen darf und nicht pausenlos beaufsichtigt wird.  Diese höchstmögliche Kontrolle nimmt wiederum Einfluss auf die Fremdbestimmung und den nahezu kompletten Entzug einer  - vorher noch rudimentären - Selbstbestimmung.  Das Gefühl von Hilflosigkeit, Machtlosigkeit und Wehrlosigkeit selbst in nicht-gefesseltem Zustand erreicht einen neuen Höhepunkt. 
Für einen sklaven sind das besondere und wichtige Zustände. 
Ein kleines, unbedeutendes Beispiel, das aber trotzdem etwas verdeutlicht :
Während der Zeit der Online-Erziehung erhielt ich zwar auch Kleidungsvorschriften, die ich weitgehendst eingehalten hab, die aber empfindungsmäßig wenig ausmachten. Immerhin konnte es nicht kontrolliert werden und ich hatte die Möglichkeit des Relativierens.  Ich war nicht wirklich machtlos und hilflos.  Sven jedoch konnte täglich kontrollieren, ob ich die Kleidungsvorschrift einhalte. Es gab keine Ausweichmöglichkeit mehr.  Trotzdem konnte ich jederzeit frei an meinen Schrank und zumindest zu Hause auswählen. 
In der Zeit des Zusammenlebens wurde mir sämtliche und alle Ausweichmöglichkeiten genommen. Auch wenn ich sie vorher nicht oder nur selten genutzt habe,  war mir aber die Möglichkeit dessen bewusst.  Ich hatte nun keinen Hausschlüssel,  keinen Schrankschlüssel mehr.  Ich konnte nicht mehr an meine Wäsche, Kleidung,  CDs oder sonstige Sachen.  Alles wurde kontrolliert,  für alles musste ich um Erlaubnis fragen. Ich hatte allen Einfluss verloren.
Somit hat schon das Fehlen eines dummen kleinen Schrankschlüssels einen größeren Effekt gehabt. 

Ich konnte fühlen, erleben, wie mir alles genommen war.  Nach dem Schließen der Haustür, hatte ich sofort nackt zu sein, meine Sachen sofort abzugeben, damit sie weg geschlossen wurden.  Ich konnte nicht zwischendurch etwas essen, wonach ich Appetit hatte. Ich aß nicht mehr am Tisch und mein hauptsächlicher Aufenthaltsort war der Boden. 
Zum ersten Mal hab ich in bisher größtmöglicher Deutlichkeit gespürt,  das ich rein gar nichts mehr über mich bestimmen oder beeinflussen konnte. Ich war ausgeliefert.
Auch zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit hab ich mich als Gegenstand empfunden und erlebt. Ich wurde weg gestellt oder weg geschlossen, wenn ich nicht gebraucht wurde und/oder nichts zu tun war.  Ich wurde weggestellt, wie ein Besen nach dem Aufkehren.  Weggeschlossen wie eine Gummipuppe nach dem Ficken. Weggepackt wie ein Klapptisch nach dem Essen. 
Sven hat in der Zeit sehr auf mich geachtet und aufgepasst. Er war sehr verantwortungsvoll und verantwortungsbewusst.  Er hat sehr auf meine Ernährung geachtet.  Es kam weniger darauf an, dass es schmeckte, sondern nahrhaft und ausgewogen war. 
Nicht nur das Gefühl der Kontrolle, der Fremdbestimmung war intensiver;  auch das Gefühl, sich sicher und beschützt zu fühlen, war intensiver. 

Ich weiß, dass eine Woche noch keine absolute Aussagekraft hat. Vielleicht kann sich Manches in Routine verschleißen  - wobei ich denke, dass dies nur der Fall sein kann, wenn die eigenen Gefühle und Empfindungen verschlissen sind und die Fantasie in Routine und Langeweile abgedriftet sind.  Trotzdem wird eine längere Phase mehr sagen können.  Wir planen das für einen Zeitpunkt nach dem Abi.

Dieser erste Versuch hat mir mehr Sicherheit gegeben, dass es das ist, was ich mir wünsche und wonach ich mich sehne. Ich kann jetzt angstfreier  in eine 24/7  mit meinem Herrn gehen, weil ich sicherer bin, dass es zwischen uns funktionieren kann.
Nach diesem Ausprobieren bin ich für mich zu dem Gedanken gekommen, dass es sinnvoll ist, einen befristeten Test zu machen,  bevor man sich endgültig auf 24/7  mit seinem Herrn entscheidet.
Ich denke auch, dass 24/7  niemals am Anfang stehen darf.  Das heißt,  dass eine sklavensau, aber auch ein Master, zunächst ausreichend Erfahrung im SM gesammelt haben sollten und die Beziehung zwischen beiden tragfähig sein muss.